Zwei Erlebnisse-Eine Frage
Gestern Abend um 19.40 Uhr schaute ich in einen Film über die Mediathek hinein, um festzustellen ob ich ihn mir anschauen möchte.
Nach 2 Klicks durch den Film innerhalb von 5min liegt die Entscheidung ganz klar beim Nein. Was war geschehen?
Der erste Klick am Anfang des Films schien spannend, rätselhaft, undurchsichtig. Ich bin mir unsicher, aber interessiert. Okay, soweit ganz gut, ich bin bereit für einen weiteren Klick…hätte ich es doch nicht getan. Da sind die Szenen, die ich so schlimm finde. Szenen, die in einem Film nach meiner Meinung nichts zu suchen hätten. Szenen, in den ich mir Tage später noch meine Gedanken mache. Ich denke, an die Schauspielerin, ich denke, an mich, ich denke an all die Menschen, die diese Szenen sehen, an Frauen, an Kinder, die beim vorbeigehen, um eben mal auf die Toilette zu gehen, diese Szenen mitbekommen…

Ich klicke schnell weiter, denn eins lässt mir keine Ruhe, wie geht es weiter. Wird sie aufgefangen? Wird sie abgeholt? Wird sie sicher weggebracht?

Die kurze Szene danach beruhigt mich etwas, die Tür geht auf, ihre Freundin entdeckt sie, sie bringt sie nach Hause. Mehr will ich nicht wissen, denn diesen Film will ich nicht anschauen. Hätte ich in den Film doch nicht reingeschaut.
Warum kann ich bestimmte Szenen in Filmen nicht vergessen? Ich weiß doch genau, es sind nur Schauspieler, es ist ein Drehbuch. Es ist nicht die Realität. Ich weiß es, aber…

Ich hole mir einen warmen Tee, will den Schock überwinden und starte einen neuen Versuch.
Diesmal bleibe ich in meinem gewohnten Gebiet und entdecke einen Wissensvortrag bei Youtube, den kenn ich noch nicht. Also gemütlich hinsetzen und hören. https://www.youtube.com/watch?v=1n10ZWQVsFo

Ab 29:35min werde ich erinnert an die inzwischen allseits bekannte Affenentdeckung. Einer schälte eine Banane und einer schaute zu. Die Entdeckung der Spiegelneuronen. Das heißt, der zuschauende Affe, durchlebt genauso die Situation wie sein Kollege, der die Banane schält. „Zuschauen ist gut.“ sagt die Referentin. Klar, es geht im Vortrag um Lernprozesse. Wie Kinder besser Lernen könnten in Schulen.

Sofort frage ich mich: Aber wie sieht es bei dunklen Themen aus…?
Das bringt mich gedanklich wieder zum vorherigen Film. Und wieder und wieder kommen Fragen auf, ob man doch wirklich alles zeigen sollte in Filmen?

Denn, warum geht es mir schlecht? Ich habe es nicht erlebt, es war nur ein Film. Das weiß ich. Aber mir ist so als ob, ich es erlebt habe.
Ich kann Dir ohne Nachzudenken, einige Filme sofort benennen, die ich aufgrund dieser Szenen nicht vergessen kann. Sie liegen zum Teil Jahrzehnte zurück. Ist das nicht unglaublich!
Jahrzehnte! Wenn ich an sie denke, verkrampfe ich innerlich. Ich fühle mich schlecht, ich habe Angst. Es tut weh. Ich bin verletzt. Und, ich kann es nicht vergessen.

Warum nur, ja klar. Es sind meine Spiegelneuronen. Ich habe es wirklich durchlebt, obwohl es nicht der Realität entspricht. In meiner aber schon.
Wenn ich dies erlebe, wie muss es erst der Schauspielerin gehen? Sicher ist es ihre Rolle.
Es ist ein Unterschied es zu spielen oder selbst zu erleben. Hmmm, wirklich?

Frage: Müssen denn immer alle schlimmen Szenen gezeigt werden? Die Welt spricht inzwischen nur noch von positivem Leben. Jeder soll seine Leidenschaft suchen. Seine Fähigkeiten bündeln, seiner Berufung nachgehen, um mit Herz die Welt ein Stückchen liebenswerter zu machen.

Brauchen wir dann solche Szenen?
Einerseits nicht gut für den bewussten Zuschauenden, den unbewusst vorbeigehenden Zuschauenden, anderseits für den Schauspieler…

Oder sollte ich, zu Herzen nehmen, was wiederum Interviewteilnehmer berichten im #StoryPodcast, alles hat seinen Grund. Alles passiert, weil es dir eine Richtung geben soll. Es soll so geschehen, weil es so ist.
Oder so ähnlich.
Okay, wenn dies so ist, dann habe ich meine Berufung gefunden:

„Ich fordere keine sexuellen Vergewaltigungsszenen mehr in Filmen!“
Ich fordere kein Gesetz. Ich spreche nicht die Politiker an.
Ich appelliere an Regisseure…ich appelliere an die Fantasie der Filmemacher, das Thema würdiger anzusprechen. Nicht zu verdrängen, aber eine neue Form zu finden die Problematik anders anzusprechen.
Was denkst Du darüber?


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