Darf ich vorstellen…Hildegard!

Hildegard ist in der Mitte ihres Lebens angekommen.
Plötzlich und völlig unerwartet wird sie in einer Woche 48 Jahre alt.
Im engsten Freundeskreis wird gefeiert. Heimlich, nur sie weiß, warum gefeiert wird.
Grund der Zusammenkunft erfährt. Ptsch…wie immer…keiner!
Im besten Fall soll es einer der ohnehin regelmäßigen entspannten Grillabende mit Freunden werden
ohne plötzlich auftretende störende Beschämtheit durch die Feststellung:

„Ha, wie? Was? Du hast Geburtstag?
Oh das hättest du doch sagen müssen!!!
Jetzt habe ich kein Geschenk!“.Und dann kommt es noch schlimmer:
Plötzlich wirst du bestürmt, und überhäuft mit nervenden, erzwungenen Gratulationen.

“Und ich…denkt Hildegard, „ich bedanke mich dann ebenfalls nett und höfflich.
Peinlich von beiden Seiten. Der Eine hat kein Geschenk und der Andere will kein Geschenk, denn einen entspannten Grillabend mit Freunden ist doch schon ein Geschenk genug.“
Nur versteht das immer keiner!“ brummelt Hildegard leise vor sich hin.

Nun denn. So bescheiden war  Hildegard immer. Niemals auffallen.
Niemals im Mittelpunkt stehen.
Aber dennoch fleißig  im Hintergrund die Fäden halten und lenken.
Dafür kein Lob und Anerkennung haben wollen. Sondern eben ganz bescheiden
so ihre Daseinsberechtigung erbeten.

Typische Stationen ihres Lebens waren solche wie: den ersten
richtigen Freund zum Ehemann nehmen, ein Haus, dazu gehört ein Hund,
später das Kind, der Job sollte ihre Unabhängigkeit/Selbstständigkeit
vor den Nachbarn demonstrieren.

So zog ihr Leben an ihr vorbei. Manchmal hatte sie das Gefühl,
sich selbst dabei zu beobachten,
wie sie  morgens aufsteht und abends erschöpft wieder ins Bett fällt.
So als ob sie nicht SIE,
sondern ein Beobachter sei. Wie ein Schauspieler in einem Film,
wobei ihre Rolle vorher bestimmt ist.
Das Manuskript nicht sie sondern der Regisseur festlegt.
Welche Szenen wann genau, was wo wie sie zu gespielt hätte.

Neuerdings ist aber etwas anders. Sie ist zurzeit sehr durcheinander.
Sie kann sich auch nicht mehr erinnern, wann ES begann…

Von außen eine harmonische Familie.
Nähe betrachtet, (Du mein Hörer und ich)Wir schleichen uns heimlich in ihr Haus hinein.
Pscht…Ganz leise, wenn wir einen Tag mal Mäuschen spielen könnten,….
würde uns auffallen:
das ihr Maria schon längst vor der häuslichen Einöde geflüchtet in ein Studium weit weg,
der Ehemann mit Bierflasche auf der Couch dem Fußballspielern begeistert zu jubelnd.
Sie, unsere Hildegard im Zimmer gegenüber im Lesesessel sitzend.
unsicher…angsterfüllt schon seit langer Zeit fühlend, daß sie dringend ihr Leben ändern müßte,
sonst…
ja, was sonst eigentlich? Die Antwort weiß sie genau,
aber sie scheut sich es auszusprechend.
Lieber lebt sie jeden Tag das gewohnte Leben. Noch!
Sie bestätigt es sich mit einem kaum sichtbaren Kopfnicken,
daß es Soooo viel besser sei. Ich kann doch nicht, mein Kind enttäuschen.
Ich kann doch nicht meinen Mann verlassen? Warum sollte ich denn?
Ich bin doch glücklich hier in diesem Haus bei meinem Mann….Oder nicht??
Ein Tag später… saß sie einfach so auf einer Bank. Einer Parkbank.
Sie schaute Gedankenversunken auf dem See mit den Enten darauf.
Und dachte,…ja was dachte sie nur…
Ursprünglich wollte sie von der Arbeit in den Supermarkt,
danach geschwind zügig daheim Abendessen zubereiten.
Da, stand sie. Eine Bank etwas abseits. Sie stand einfach so da und
sie wunderte sich warum ihr nie diese Bank aufgefallen ist.

Sie kam ins grübeln. Diese Stille , diese Stille kann sie nicht mehr ertragen
…in ihrem, in ihrem viel zu großem Haus. Bald nun hat sie Geburtstag.
Nicht das es eine Bedeutung hätte. Schon seit Jahren feuerte sie keinen mehr.
Aber diesmal spürt sie, es liegt etwas in der Luft.
Nichts besonderes, nur einen Grillabend unter Freunden ohne den Geburtstag zu erwähnen
mit dem einhergehenden Geschenkezwang…das hatte sie vor.
Nur warum ist sie dann so innerlich aufgeregt? So aufgekratzt?
Um ganz ehrlich zu sein, weiß sie es schon längst. Hofft nur, kein anderer möge es merken.
Das wäre blöd. Sie ist verheiratet. Und hat ein Kind.
Nach dem Einkauf zu Hause angekommen. Sie konnte sich nur mit schwerem Herzen
von dem Park trennen
Wurde sie mit Jubelschreie ihres Ehemanns empfangen.
Aber nicht, weil sie nach Hause gekommen ist, sondern weil ein Tor gefallen ist.
Befremdet. Immer öfter störend, wenn er schreit „Tor, Tor!“
Was ist nur los, fragt sie sich. Seit Jahren spürt sie eine Leere in sich. Schon viel zu lang!
Denn tief in ihr, ist ihr nicht nach Spaß. Sie will sich nicht freuen.

Nein, sie will…sie will….ach, wenn sie das doch nur wüsste?!…was sie will…
In der Küche bereitet sie das gemeinsame Abendessen vor.
So wie gestern und vorgestern und vorvorgestern…
Vor Schreck stand sie plötzlich still. Sie hatte sie eine Eingebung.
„Ich muss raus hier. Ich muss weg hier. Ich brauche frische Luft. Ih ersticke hier.“
Ohne ein Wort des Abschieds, mitsamt ihres Abendessen, verließ sie das Haus
Schon auf der Türschwelle konnte sie freier Atmen
Erst mit zögerlichen Schritten, dann mit schnellen Schritten Richtung Stadtpark..
Sie setzte sich wieder auf die Bank, die sie bisher noch nie beachtet hatte.
Naja, wann war sie das letzte Mal auch wandern.
Ja, gemeinsam als das Kind noch klein war, da waren wir öfters im Park.
Das war schon lange her.
Oder wann hatte sie Zeit nur für sich
Sie saß auf dieser Bank. Eine Stunde, zwei Stunden. Ihre Gedanken fanden Klarheit.
Irgendwann spürte sie Hunger. Jetzt war sie froh, ihr Abendessen mitgenommen zu haben.Diese Bank, symbolisch für viele Bänke in Deutschland, spielen sich unglaublich oft
solche oder ähnliche Szenen ab.
Hildegard in unserer Geschichte sollte diese Bank, diesen Tag nie wieder vergessen.
Er war ein entscheidender Wendepunkt in ihrem Leben.
Denn an diesem Tag verließ sie ihren Mann.
Einige Zeit später mit etwas Abstand konnte sie ihr Durcheinander besser deuten.
Zunächst wollte sie es nicht wahrhaben.
Das wär blöd, denn sie war  verheiratet und hat ein Kind.
Damals…war ER eingeladen zu ihrer Geburtstagfeier, den Grillabend mit Freunden.
Nur, Einer…begann nicht mehr NUR ein Freund u sein, sondern Ihr Freund.
Hast DU so einen Ort? Kannst du Hildegard ihre Situation nachempfinden?
So veränderte sich das Leben von Hildegard von heut auf Morgen

Ich wünsche Dir, wie Hildegard, einen magischen Ort,
wo Du Klarheit findest in Deinen Gedanken.
Ich wünsche Dir eine Bank der Ruhe, der Rückzugsmöglichkeiten, Ort der Erkenntnis.
So, wie Hildegard es fand….

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Wie findest Du die Geschichte?  Hast Du Dich darin wieder gefunden? Ich freu mich, wenn Du wie immer kommentierst. Danke Dir. Deine Manu

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Der StoryPodcast

Storys aus dem Leben. Neugierig erarbeitete Rechercheinformationen aus Internet, Büchern, durch Reisen vor allem aber durch echte Begegnungen. Spannende Geschichten aus heutiger Zeit oder vergangenen Zeiten. Präsentiert als Soloepisode, andererseits gern live mit Gäste im Gespräch über ihre Storys mit abwechselnden Themen. Du darfst mit fiebern. Du darfst kommentieren, damit wir eine Interaktion erreichen können. Geschichten aus dem Leben- so bunt wie dies eben. Jeden Donnerstag pünktlich 4Uhr morgens als Schmankerl und zur Steigerung der Freude auf Dein kommendes Wochenende eine weitere unterhaltsame, inspirierende und motivierende neue Folge. Ich freu mich. Bis bald. Deine Manu


    1 Response to "002 Hildegards Geschichte oder Deine?"

    • […] Die einzigste Musik, die ich habe ist mein Intro und Ourto. Übrigens, schon mal reingehört. Im Outro spreche ich im Hintergrund mit Musik etwas von: „DU entscheidest Dich für Deinen Weg, gehst Du gerade…“ Wie findest Du den Text? Neugierig? Hör mal rein und sag mir Deine Meinung dazu. Hier—> gehts zu „Hildegards Geschichte“ […]

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